Die Kohlenstoffblase und die Reaktion der Finanzindustrie

Die Finanzindustrie gerät nun ganz still und heimlich wegen der klimabedingten Finanzrisiken, die derzeit in ihren Büchern stehen, in Panik: Eine massive Kohlenstoffblase. Banken, Hedgefonds, Pensionsfonds, Versicherungsgesellschaften, Hypothekengesellschaften, Familienfonds und Stiftungen haben derzeit gestrandete Vermögenswerte im Wert von Billionen von Dollar in ihren Bilanzen. Billionen Dollar an gefährdeten Küstenimmobilien (Häuser, Hotels, Resorts, Kasinos), Öl- und Gasinfrastrukturen, die dank wettbewerbsfähigerer und effizienterer erneuerbarer Energien überflüssig werden, nicht verbrennbare „nachgewiesene“ Ölreserven, die zum heutigen Marktwert eingepreist sind, sowie andere Vermögenswerte, die an Wert verlieren werden, wenn die Kohlenstoffblase durch die Auswirkungen des Klimawandels platzt.

Moody’s Analytics schätzt die wirtschaftlichen Verluste bis zum Jahr 2100 auf 100 Billionen Dollar, wenn die globalen Temperaturen um 2 °C ansteigen (und 77 Billionen Dollar, wenn wir unter 1,5 °C bleiben). BlackRock, das größte Investmenthaus der Welt, nimmt diese Kohlenstoffblase ebenfalls sehr ernst. Die Federal Reserve Bank hat jetzt einen Klimaausschuss für Finanzstabilität und einen Klimaausschuss für die Aufsicht. Die Europäische Zentralbank richtet ein Climate Change Center ein, dessen Direktor direkt dem Präsidenten unterstellt ist. Sowohl die Federal Reserve Bank als auch die Europäische Zentralbank sind in diesem Jahr dem Network for Greening the Financial System (NGFS) beigetreten. Die Securities and Exchange Commission und die Commodity Futures Trading Commission bereiten sich ebenfalls auf die Kohlenstoffblase vor. Die Bundesbehörde für Wohnungsbaufinanzierung steckt derzeit knietief in den tatsächlichen finanziellen Risiken in den Büchern. Nicht versicherbare Immobilien aufgrund von Überschwemmungs-, Brand- oder Hurrikanrisiken sind gestrandete Vermögenswerte, die nicht verkauft oder mit Hypotheken belastet werden können.

Die Finanzindustrie wird sich von der Kohlenstoffwirtschaft trennen und ihren Einfluss nutzen, um die Energiewende zu beschleunigen, denn die Risiken, welche durch den Klimawandel für sie entsteht, sind enorm.

Mit anderen Worten: Die Finanzindustrie wird sich von der Kohlenstoffwirtschaft trennen und ihre Hebelwirkung nutzen, um die Energiewende zu beschleunigen. Wenn die Börsen wegen des Klimawandels in Panik geraten, bedeutet das, dass die von ihnen finanzierten Politiker den Klimawandel endlich ernster nehmen müssen. Erwarten sollten wir jedoch nicht, dass sich die Börsen in nächster Zeit für Klimareparationen oder die Umsiedlung von Klimaflüchtlingen einsetzen werden. Die Bewegung für Klimagerechtigkeit muss ihre eigene Vision formulieren, aufklären, befähigen, mobilisieren und eine echte globale Solidarität organisieren, um sich auf die unvermeidliche Klimaflüchtlingskrise vorzubereiten.
Einen Beitrag zu Klimaflüchtlingen, deren Ursachen und eine Faktencheck dazu, werden wir in nächster Zeit auf unserer Website veröffentlichen.

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