Sind Atomkraft und Erdgas für die EU „grüne“ Investitionen?

„Eine Energiequelle, die CO₂ emittiert, kann nicht nachhaltig sein, da gibt es keine Diskussion, eine Energiequelle, die Belastungen für hunderte und tausende von Generationen in der Zukunft schafft, kann auch nicht nachhaltig sein.“
Markus Ferber, CSU, Fraktion der Europäischen Volkspartei, Mitglied des Europäischen Parlaments

Die EU-Kommission hat Investitionen in neue Gas- und Atomkraftwerke unter bestimmten Auflagen als klimafreundlich eingestuft. Die Pläne waren im Vorfeld stark kritisiert worden – unter anderem von Deutschland. Hintergrund der Einstufung von bestimmten Gas- und Atomprojekten als nachhaltig, ist die sogenannte Taxonomie der EU. Sie soll Bürger und Anleger dazu bringen, in klimafreundliche Technologien zu investieren, um die Klimaziele der EU zu erreichen.

In unserem Beitrag von Wilhelm Möller, veröffentlicht am 23.01.2022, haben wir uns mit dem Thema befasst, ob diese beiden fossilen Energieträger die Eigenschaft „nachhaltig“ verliehen bekommen dürfen.

Falls Sie Interesse an diesem Beitrag haben, finden Sie ihn unter diesem Link:

Statement zur potenziellen Erweiterung der EU-Taxonomie

Um nun die Kernfrage zu beantworten: Sind Atomkraft und Erdgas für die EU „grüne“ Investitionen?
Für die EU sind diese Energieträger als „nachhaltigere“ Energieträger zu bezeichnen und damit mit dem Prädikat „nachhaltig“ zu versehen, zumindest wenn man sich auf die Taxonomie bezieht.

Um die Materie nochmals zu durchleuchten, möchte ich Ihnen eine kurze Einschätzung zu diesen Themen geben:

Kann Erdgas nachhaltig sein?

Die EU will bis 2050 klimaneutral werden und setzt deswegen inzwischen auf die „Übergangslösungen“ Atom und Erdgas. Beide werden durch die EU in die Taxonomie-Verordnung aufgenommen. Diese Verordnung soll privaten Geldgebern Anreize für Investitionen in grüne Energien bieten.
Gas hingegen, unabhängig von der Taxonomie, kann nicht nachhaltig sein. Durch die Verbrennung von Gas entsteht zwar weniger CO₂ als bei der Verbrennung von Kohle oder Öl, jedoch muss man bedenken, dass auch kleinste Leckagen für den Ausstoß von Methan sorgen. Methan hat einen etwa 80-fach höheren Einfluss auf das Klima als CO₂. Hinzu kommt auch noch, dass lange Transportwege wie bei LNG Gas die CO₂-Effizienz weiter verschlechtern und es keine genauen Zahlen darüber gibt, welcher Ausstoß bei diesen Transporten entsteht.

Kann Atomkraft nachhaltig sein?

Nein, auch Atomkraft kann nicht nachhaltig sein. Sie verletzt das DNSH-Prinzip. Unzählige Generationen werden einen erheblichen Schaden davontragen dafür, dass die Menschen, welche heute leben, günstigen Strom erzeugen können. Selbst die effizientesten AKWs erzeugen radioaktiven Müll, welcher mindestens einige Jahrtausende von den zukünftigen Generationen unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen verschlossen gehalten werden muss.

Was bedeutet das für nachhaltige Fonds?

Ab 2023 wird es voraussichtlich Fonds geben, welche in Atomkraft und Gas investieren und trotzdem das höchste nachhaltige Gütesiegel für Fonds der EU, Artikel 9, erhalten werden. Dies wird dazu führen, dass dieses Prädikat an Bedeutung verliert.

Wie setzen wir dies in unserem Fight For Green Fonds um?

Für uns gibt es nur einen Weg – nachhaltig. Unabhängig von politischen Ambitionen wird es in unserem Fight For Green Fonds keine Investitionen in Gas oder Atomkraft geben. Fondsmanager sind nun dazu aufgerufen, ihre Investitionen dahingehend zu überprüfen, ob sie einen tatsächlichen Impact generieren wollen oder sich lediglich an den gesetzten Grenzen entlang bewegen wollen.

Für uns gilt weiterhin das Ziel: Das Pariser Klimaschutzabkommen einhalten.

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